Erste RefoRC Konferenz fragt nach den ‚Mythen der Reformation’
02-06-2011
Vom 8.-10. Juni findet am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte (Theologisches Seminar der Universität Zürich) die erste Konferenz des Reformation Research Consortium statt. RefoRC ist die akademische Sektion von Refo500, die internationale Plattform, die anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 weltweit eine Vielzahl an Aktivitäten entwickelt und sich mit der Relevanz der Reformationen des 16. Jahrhunderts beschäftigt.
In dieser erster Konferenz werden kritische Fragen an die Reformation gestellt. Dabei geht es nicht so sehr um die Frage, ob Luthers „Thesenanschlag“ an die Schlosskapelle von Wittenberg vor 500 Jahren im buchstäblichen Sinn stattgefunden hat. Vielmehr sollen der Begriff „Reformation“ und damit verbundene mögliche „Mythen“ beleuchtet werden. Ist die Reformation ein „deutsches Ereignis“ mit gesamteuropäischer Wirkung – und muss 2017 entsprechend gefeiert werden? Ist sie vor allem ein Ereignis im Binnenraum kirchlicher Frömmigkeit? Oder sollte sie vornehmlich politisch und kulturell betrachtet werden? Wie verhalten sich theologische Selbstwahrnehmung und kulturelle Ausprägung der „Reformation“ zueinander? Ist „katholische Reform“ des 16. Jahrhunderts „Gegen-Reformation“?
Die Referenten, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, geben der Thematik eine besondere Dimension. So behandelt Ignasi Fernández Terricabras (University of Barcelona) die Frage, ob die „Gegen-Reformation“ nicht ausschliesslich eine spanische Angelegenheit war. Emidio Campi (Universität Zürich) spricht zur Frage, ob die Reformation als ein urdeutsches Ereignis angesehen werden kann. Die Kunsthistorikerin Bridget Heal (University of St. Andrews) stellt die Frage, ob die Reformation in dem Masse „wortorientiert“ war, wie dies viele Protestanten gerne gesehen hätten.
An RefoRC beteiligen sich Universitäten und andere wissenschaftliche Institute mit gemeinsamen Forschungsprojekten wie Editionen, Tagungen, Kursen und Nachwuchsförderung. Jährlich findet eine interdisziplinäre Konferenz statt, wo mit Plenarvorträgen neueste Ergebnisse der Erforschung des Reformationszeitalters präsentiert werden und wo – vor allem jungen – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Podium geboten wird, ihre Projekte über Shortpapers vorzustellen.
Die grosse Resonanz auf die Ausschreibung der ersten RefoRC-Konferenz in Zürich mit Interessentinnen und Interessenten aus aller Welt macht den Bedarf an einer solchen Konferenz deutlich. Ziel von RefoRC ist es, die interuniversitäre Kooperation und internationale wissenschaftliche Vernetzung zu verstärken. Die nächste Konferenz findet vom 10.—12. Mai 2012 in Oslo statt.
Zürich/Enschede, den 31. Mai 2011.
Lesen Sie hier den Bericht des Institut für Schwezeirische Reformationsgeschichte.

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